Wahrheiten und Fakten zum deutschen Sport

 

Wenn vom deutschen Sport die Rede ist,kommt man nicht umhin,die außergewöhlichen Erfolge der DDR bei Europa-und Weltmeisterschaften,Olympischen Spielen und vielen anderen internationalen Wettkämpfen zur Kenntnis zu nehmen.Diese Erfolge beruhen auf einer Sportpolitik der DDR,die sowohl den Breitensport mit vielfältigen Zugangsmöglichkeiten für alle Bürger zur sportlicher Betätigung wie auch eine durchdachte und konsequente Entwiklung der besten sportlichen Talente von Kindheit an förderte.

Da diese Erfolge nicht in das Bild derjenigen passen,die nach wie vor an der Erfüllung des Auftrags des ehemaligen Innenministers Klaus Klinkel zur Delegitimierung der DDR arbeiten, wird der DDR-Sport mit Unterstellungen,Lügen,Verschweigen und Auslassungen,wider besseres Wissen,diskreditiert und verleumdet..

Hasso Hettrich hat zahlreiche Wahrheiten und Fakten über den Sport in beiden deutschen Staaten zusammengestellt, die es erlauben, sich ein objektives Bild vom deutschen Sport zu machen.

Sein Buch" Wahrheiten und Fakten zum deutschen Sport"" ist zu beziehen bei:

Sport und Gesellschaft e.V.

Triftstraße 34

15370 Petershagen

im Preis von 5,-Euro.

Anfragen/Auskünfte dazu auch über  die Emailadresse: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. oder Tel.0334397473


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

                                                                                                                                                                               Im Zuge der so genannten Erneuerung und Demokratisierung wird ein ehemals erfolgreiches Universitätsinstitut mit recht nebulösen Personalentscheidungen  im Jahre 1992 aufgelöst

 

 

Am 31. Dezember 1992 wurde das Institut für Körpererziehung an der Universität Leipzig geschlossen. Der allgemeine Studentensport nach DDR-Prägung, obligatorisch für alle Studenten, war an den Universitäten und Hochschulen der neuen Bundesländer dem bundesdeutschen Sparmodell der Freiwilligkeit gewichen.

Nach nunmehr 20 Jahren kam der Autor zu dem Entschluss, die Möglichkeit der Demokratie ernst zu nehmen und als mündiger Bürger nicht zu kneifen und unangenehme oder heikle Wahrheiten für sich zu behalten. Die Absicht besteht nun darin, zu informieren und aufzuklären über die nicht immer objektiv und sauber gehandhabte radikale Erneuerung und Demokratisierung an einer ostdeutschen Universität.

 

Anhand von Akten, die dem Autor von Verfahren der Arbeitsgerichte zur Verfügung standen und „institutsinternen“ Aufzeichnungen, wird der Versuch unternommen, in einem möglichst authentischen Bericht diesen Umgestaltungsprozess am Institut für Körpererziehung in den Jahren 1990 bis 1992 zu belegen.

 

 

Vorbemerkungen

Das Sportinstitut der Leipziger Universität kann auf eine überaus erfolgreiche Entwicklung zurückblicken. Dem unermüdlichen Mühen des ersten Universitäts-Turnlehrers, Dr. Hermann Kuhr, ist es zu danken, dass die Universitätsleitung entgegen dem Willen des sächsischen Kultusministeriums im Wintersemester 1920/21 das Gymnastische Institut gründete. Damit war es eines der ersten in Deutschland. Die auf Initiative von Kuhr seit 1907 an der Universität selbständig betriebene Turnlehrerausbildung erlangte im Sommersemester 1924 endgültig ihre staatliche Sanktionierung durch deren Einbindung in das Erste Staatsexamen. 1925 kam sogar die Sportpflicht für alle Studenten hinzu.

Nach dem frühen Tod von Kuhr übernahm Dr. Hermann Altrock 1925 die Institutsleitung. Er avancierte nicht nur zum ersten Sportprofessor in Deutschland, sondern führte das Institut für Leibesübungen zur Weltgeltung.

Einen erheblichen qualitativen Einschnitt erlebte das „neue“ Institut für Körpererziehung (IfK) ab 1948 nach dem Weggang von Altrock. In Leipzig hatte er infolge eines Beschlusses der Entnazifizierungskommission Lehrverbot und durfte demzufolge nur noch wissenschaftlich tätig sein. Diese Maßnahme war mit einem Berufsverbot gleichzusetzen.

Unter der neuen Führung des SED-Mitglieds und Volksschullehrers Gerhard Wetzig und mit weitaus geringer qualifiziertem Personal kam es am Institut folgerichtig zu Einschränkungen. Eine Ausbildung von Sportlehrer für die Oberstufe ließ man nach Gründung der Deutschen Hochschule für Körperkultur (DHfK, Leipzig 1951) auf Beschluss des Ministerrates am IfK auslaufen.

Ab diesem Zeitpunkt war das Sportinstitut nur noch für den allgemeinen obligatorischen Studentensport zuständig. Der fand in sportartspezifischer Form über möglichst alle Semester statt und erreichte ein hohes Niveau mittels qualifizierter Betreuung durch hauptamtlich angestellte und fachlich ausgewiesene Sportlehrer. Der Rehabilitationssport und eine spezifische Ausbildung der Lehrerstudenten sowie die Bearbeitung kleinerer Forschungsschwerpunkte verhalfen dem Institut auch unter den veränderten Bedingungen zu Anerkennung.

 

Die Situation am Institut für Körpererziehung im Herbst 1989

 

Das Institut für Körpererziehung hatte entgegen den Weisungen des Wissenschaftsministeriums der DDR in einem Modellversuch schon ab 1988 den wahlweise obligatorischen Sportunterricht eingeführt. D. h., es bestand nicht nur die bis dato praktizierte Form der Wahlsportart, sondern auch die Möglichkeit der Wahl einer Sportart/Sportartenkombination aus dem Angebot von Sportkursen, Spieltreffs und sonstigen Formen. Die Abkehr von festen Blockzeiten durch freie Wahl der Wochenunterrichtszeit[1] machte das Studium flexibler und die Studierenden konnten es selbständiger gestalten.

Aufgrund dieser modernen Ausbildungsform, die eigentlich in ähnlicher Form schon von Kuhr und Altrock praktiziert wurde, geriet das Sportinstitut nicht in ein „Loch“, als der Rektor am 20. November 1989 entschied, dass der Studentensport ab sofort freiwilligen Charakter hat. Schon ab Frühjahrssemester 1990 wurde dann die Ausbildung im fakultativen Sport, ähnlich den bundesdeutschen Vorstellungen zum Hochschulsport, durch ein Kurssystem praktiziert. Die praktischen Übungen übernahmen natürlich die noch vorhandenen Sportlehrer und nicht wie in der BRD, Übungsleiter und Hilfskräfte.

 

Im ehemals obligaten Studentensport waren 65 Sportlehrer (davon 7 promoviert und 1 habilitiert) am IfK beschäftigt. Mit Einführung der Freiwilligkeit im Sport und einer anfänglichen Teilnehmerzahl von nur etwa 2000 Studenten, vordem ca. 10.000, bestand ein gewaltiger Personalüberhang. Obgleich die Universitätsleitung noch keinerlei Vorstellungen zur Zukunft des Sportinstituts äußerte, war dennoch klar, dass ein radikaler Personalabbau künftig unumgänglich sein wird. Um diesen einigermaßen verträglich zu halten, suchten die Verantwortlichen am Institut für ihre Sportlehrer vorerst nach Möglichkeiten zur „Voll“-Beschäftigung und Qualifizierung.

So beantragte das Institut im September 1990 aufgrund der praktischen Erfahrungen und deren Begründung mittels wissenschaftlicher Bearbeitung, die über Jahrzehnte im studentischen Rehabilitationssport gemacht wurden, beim Arbeitsamt Leipzig die Übernahme einer Ausbildungsrichtung zum Rehabilitationssportlehrer. Mit dieser Maßnahme wollte man nicht nur für eine qualitativ hochwertige Beschäftigung der Mitarbeiter sorgen, sondern auch die Bereitschaft zu deren individueller Umschulung wecken. Letztendlich erhielt dann doch ein anderer Bewerber, eine Institution aus Köln, den Zuschlag. Die Engagiertesten des Instituts übernahmen für diese Einrichtung, die weder Lehrpersonal vor Ort noch entsprechende Räumlichkeiten vorweisen konnte, zumindest einige Lehraufgaben. Vor dem Hintergrund, dass die in Abwicklung befindliche DHfK aufgrund ihrer Ausrichtung auf den Leistungs-, Volks- und Dienstsport in bewaffneten Organen die Ausbildung von Schulsportlehrern in den 70er Jahren beendete, beantragte das IfK über den Interimsrektor die Wiederaufnahme sportwissenschaftlicher Studiengänge (Sekundarstufe I und II) an der Universität. Der Senat gab seine Zustimmung und überreichte die Konzeption am 11. Dezember 1990 dem sächsischen Wissenschaftsministerium. Eine Stellungnahme dazu blieb aus.

 

Schon ab Januar 1990 bemühte man sich um intensive Kontakte zum Allgemeinen Deutschen Hochschulsportverband (ADH) der BRD[2]. Man war an bundesdeutschen Universitäten auf Foren, Tagungen und Kongressen mit Beiträgen zum Studentensport der DDR, zu den bevorstehenden Veränderungen und mit historischen Themen präsent. Eine Anzahl von wissenschaftlichen und publizistischen Beiträgen gelangte zur Veröffentlichung. Für den ADH übernahm man die Vorbereitung und Durchführung von je zwei Themensymposien und zwei Deutsche Hochschulmeisterschaften. Im Auftrag der Friedrich Ebert Stiftung wurde das internationale sporthistorische Symposium „100 Jahre Arbeitersport“ für 1993 mit vorbereitet.

 

In dieser Situation war es für die seit 1987/88 staatlich sanktionierte Institutsleitung, bestehend aus dem Leiter sowie je ein Stellvertreter für die Ausbildung und die Forschung, ein schwieriger Spagat, die Interessen der unterschiedlichen Gruppierungen zu lenken und insgesamt zu vertreten.

Aufgrund einer Verfügung des Rektors sollten sich alle bisherigen Leiter der Universität im September 1990 durch ein Vertrauensvotum von ihren Mitarbeitern bestätigen lassen.

Die drei amtierenden Leiter stellten sich demnach auch zur Wahl. Die Abstimmung ergab eine Patsituation für den bisherigen Institutsleiter. Bei Sichtung der Wahlunterlagen stellte der fest, dass die Stimmenauszählung nicht korrekt war. Darüber informierte er den inzwischen gewählten Personalvertreter des Instituts. Der sprach umgehend beim Rektor vor. Der Rektor ordnete nun an, dass eine Neuwahl durchzuführen ist. Entgegen seiner ursprünglichen Festlegung können sich dabei, alle Promovierten zur Leiterwahl stellen. Bei nunmehr sechs Kandidaten[3] erhielt der Institutsleiter von 44 abgegebenen Stimmen 17. Seine beiden Stellvertreter folgten mit 10 und 8 Stimmen auf den Rängen 2 bzw. 3[4]. Die vier Erstplatzierten waren bis 1989 Mitglied der SED. Das Ergebnis für die einzige politisch „unbelastete“ Kandidatin war mit einer Stimme ernüchternd. Bei der nächsten Institutsvollversammlung war auf Wunsch der „Erneuerer“ vom Institut  der stellvertretende Personalratsvorsitzende der Universität anwesend. Er erläuterte Positionen des Personalrats zum Erneuerungsprozess, hörte sich die Zukunftssorgen der Institutsangehörigen an und sagte ihnen Hilfe und Unterstützung zu. Als über die Leiterwahl gesprochen wurde, betonte dann der Personalvertreter des Instituts, dass die 17 für den Direktor abgegebenen Stimmen für ihn „kein demokratisches Ergebnis“ sind. Offensichtlich erwartete er vom Leiter, dass dieser daraufhin seinen Rücktritt erklärte.

 

1991 das Jahr der Ungewissheit

 

Das Gegenteil trat ein. Die drei durch die Wahl legitimierten Leiter fühlten sich in ihrem bisherigen Bemühen und Herangehen zur Lösung der komplizierten Verhältnisse und Aufgaben anerkannt und hegten zumindest das Gefühl, durch das Votum auch für den Erneuerungsprozess entsprechend legitimiert zu sein. Im Einvernehmen mit dem Personalvertreter wurde entschieden, dass in der Übergangsphase die bisherige Institutsstruktur beibehalten wird. Aus diesem Grunde beschloss man, auch die vier Bereichsleiter von ihren Mitarbeitern wählen zu lassen. Die Wahlen in den drei Lehrgruppen und im Technischen Bereich ergaben aus „politischer Sicht“ für die Zusammensetzung der neuen Institutsleitung eine Patsituation (4 ehemalige SED-Mitglieder, 4 Nichtgenossen). Wie die Zukunft zeigte, sahen sich die Reformkräfte des Instituts auch durch dieses Wahlergebnis offensichtlich vom Kollegium nicht verstanden und durch deren Votum benachteiligt. Sie wollten oder sahen in ihrem Streben zur Erneuerung am Institut ihren Schwerpunkt weniger in einer starken Außenvertretung noch einer umfassenden Beschäftigung mit fachlichen und strukturellen Veränderungen, als vielmehr vorerst in einer „Entmachtung“ der „politisch vorbelasteten“ Personen. In ihrem Auftreten drängten die Erneuerer mehrmals, dass die Leiter sich für ihre Arbeit im „System“ der DDR zu entschuldigen haben und trotz ihrer Wahl abtreten sollten. Deshalb kam es bei zwei Vollversammlungen zu einzelnen Zwischenrufen: „Genossen raus!“ und „Genossen abtreten!“. Wie die Institutsmehrheit dazu letztendlich stand, war nicht zu erkennen – Schweigen!

Infolge dieses Begehrens schlug ein Stellvertreter des Institutsleiters seinen beiden Kollegen vor, gemeinsam den Rücktritt zu erwägen[5]. Es kam zu keinem Rücktritt der  Leiter und deren eingeforderten Entschuldigung vor dem Kollegium. Jeder behauptete sicherlich für sich, er habe während der kurzen Zeit seiner Leitungstätigkeit (alle drei ab 1987/88)  nichts Unrechtmäßiges getan und keinem Mitarbeiter Schaden zugefügt.

Im Gegenteil, es wurden seitdem nicht nur fachlich Veränderungen angestrebt (wahlweise obligatorische Sportausbildung; Verringerung der im Lehrplan geforderten Wehrsportausbildung auf ein von der Universitätsleitung geduldetes Minimum) und das Kollegium zu verstärkter Mitwirkung angeregt[6], sondern auch alte Doktrin über den Haufen geworfen: So die unbedingte Werbung der Studierenden für eine Mitgliedschaft im Sportbund der DDR oder die Pflicht zur Erfüllung der Normen für das Sportabzeichen. Bei der Jahresendprämie 1988 war z.B. die BGL-Vorsitzende und SED-Genossin nicht automatisch, wie sonst üblich, mit einer Prämie bedacht worden. Das traf auch für andere Genossen zu. All das mögen Gründe dafür gewesen sein, dass es auch offene Stimmen gab, die für die drei Führungskräfte auftraten und deren fachliche Kompetenz, Engagement und Leitungserfahrung  gerade im Umwälzungsprozess nicht missen wollten. Im Unterschied dazu war von den Reformkräften aber nur ein Teil bemüht, sich verstärkt in die neue Arbeitssituation einzubringen und dabei konstruktiv mitzuwirken. Der passive Teil zog es vor, im Hintergrund zu agieren, statt gerade jetzt im veränderten Arbeitsleben zu reagieren. 

  

Nachdem sich im Laufe des Jahres 1991 abzeichnete, dass nur etwa die Hälfte der Sportlehrer ernsthaft bemüht waren, sich verstärkt zu arrangieren, versuchte die Leitung einerseits darauf zu verweisen, dass in der bis dato „unbekannten“ künftigen Struktur nur jene bestehen werden, die eine umfassende Qualifizierung[7] und ein aktives Auftreten vorweisen können. Andererseits solle ein jeder prüfen, ob er sich nicht doch rechtzeitig um eine anderweitige Arbeit bemüht, um einer späteren Entlassung zu entgehen. Diese Offenbarung, endlich offiziell ausgesprochen, brachte dem Leiter im Kollegium keine Sympathisanten. Im Laufe der Zeit erzielte man trotzdem erste Erfolge in der Werbung für den Vorruhestand, Inanspruchnahme der Rente und in Einzelfällen durch persönliche Kündigungen. Im Dezember 1991 waren am Institut noch 45 Sportlehrer beschäftigt, die noch immer nicht ausgelastet werden konnten.  

 

Die Leitung legte in den Jahren 1990 bis 1992 mehrere Entwicklungskonzeptionen zum Hochschulsport und zur Zukunft des Instituts vor[8]. In Vollversammlungen wurde darüber diskutiert. Naturgemäß kam es auch zu unterschiedlichen Meinungsäußerungen. Aber weniger betrafen sie fachliche und inhaltliche Aspekte als Fragen zur künftigen Personalstruktur. Und gerade hier fehlte bei vielen der Blick zur Realität. Mehrmals wurde der Direktor überstimmt (gezwungen), seine Vorstellungen dahingehend zu verändern. Das wiederum führte zur Verstimmung im Rektorenkollegium. Das zeigte sich u.a. in einem Gespräch am 10. Dezember 1991, als der Rektor den Institutsleiter darauf verwies, nach bundesdeutschen Maßstäben zu bilanzieren. Selbst noch im März 1992 forderten die Reformkräfte in der Perspektive 15 Lehrkräfte. Mit diesem Verlangen musste der Institutsleiter vor der Haushaltkommission der Universität auftreten. Der Prorektor reagierte erbost über das Unverständnis zur Personalreduzierung. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hätte der Leiter das „Handtuch werfen sollen“!

 

Die Gründung der Sportfakultät wird vorbereitet

 

Sicherlich reizte den Institutsleiter ein weiterer gewichtiger Faktor im Amt zu verbleiben. Denn die Deutsche Hochschule für Körperkultur befand sich auf Beschluss des sächsischen Wissenschaftsministeriums ab dem 11. Dezember 1990 im Prozess der „Abwicklung“ und gehörte als Struktureinheit ab 1. Januar 1991 zur Universität Leipzig. Nach erfolgter Abwicklung sollte eine Fakultät für Sportwissenschaften gegründet werden.

Im Januar 1991 wurde der Institutsleiter vor das Rektorenkollegium geladen. Dort erfuhr er, dass für die künftige Fakultät eine Gründungskommission zu berufen ist. Die Personalvorschläge des Gründungsdekans lagen schon vor. Darin war zu erkennen, dass bis auf drei Ausnahmen (2 Kandidaten Altbundesländer, 1 Senatsvertreter) insgesamt 8 Lehrkräfte und 3 Studenten der DHfK vorgeschlagen wurden. Das Rektorkollegium legte nun fest, nicht wie vom Gründungsdekan vorgesehen, ein Senatsmitglied zu benennen, sondern einen Fachmann zu entsenden. Den sah man im Leiter des IfK. Der wurde nun beauftragt, umgehend Position zur Kandidatenliste zu beziehen und eigene Vorschläge zu unterbreiten. Unmittelbar nach der Rektorenberatung befassten sich die drei Institutsleiter mit diesem Auftrag. Ihr Ziel war es, der künftigen Gründungskommission eine breitere Legitimation zu geben. Deshalb erfolgte umgehend eine Kontaktaufnahme u.a. mit dem Präsidenten der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft, dem Direktor des Bundesinstituts für Sportwissenschaft, einem emeritierten Institutsleiter der Universität Karlsruhe sowie mit einem Vorstandsmitglied des ADH. Als deren Bereitschaftserklärungen zur Mitwirkung vorlagen, übergab das IfK die erweiterte Namensliste dem Rektor. Daraufhin wurde vom Rektor die Kandidatenliste des Gründungsdekans um zwei Positionen erweitert. Schon Anfang Februar informierte der Rektor den Institutsleiter, dass der Minister die ursprünglichen Vorschläge des Dekans ohne Beachtung der Veränderungen bestätigt hatte.  

Die Berufung des Institutsleiters in die Gründungskommission durch den Minister erfolgte am 15. März 1991 und endete mit der Entpflichtung aller Mitglieder am 2. Dezember 1993.

 

Zu Beginn des Jahres 1991 wurde ein neuer Rektor gewählt. Der hatte mit dem Institutsleiter am 8. April ein Vieraugen-Gespräch. Der sollte in kurzer Form seinen Werdegang darlegen. Danach verwies der Rektor darauf, dass weder er noch der Senat erfreut über die künftige Fakultätsgründung sind. Er wäre „nicht traurig darüber, wenn die Bemühungen der ehemaligen DHfK zur weiteren Selbständigkeit Erfolg haben sollten“. Dann erläuterte der Rektor, dass der Delegierungsauftrag in die Gründungskommission für den Institutsleiter darin besteht, dort die Interessen der Universität zu vertreten. Er soll den Senat über wesentliche Inhalte und Ergebnisse informieren. Vom Senat wäre als nächster Schritt vorgesehen, einen Runden Tisch mit der DHfK, dem Institut für Angewandte Trainingswissenschaften „IAT“ (ehemals Forschungsinstitut Körperkultur und Sport - FKS) und dem IfK durchzuführen[9]. Im Anschluss der Beratung betonte der Rektor gegenüber dem Institutsleiter, er werde die Interessen „seiner Mitarbeiter“ (gemeint waren die des IfK) bei der Fakultätsbildung vertreten. Im Zusammenhang mit der neuen Situation verwies der Leiter darauf, dass die künftige Einrichtung für Hochschulsport als eigenständige Struktureinheit bestehen bleiben sollte. Außerdem kam von ihm der Vorschlag, den Hochschulsport aller Leipziger Hochschulen zentral an die Universität zu binden. Der Rektor versprach, sich für eine „Zentraleinrichtung Hochschulsport“ einzusetzen, zumal sich u. U. zusätzliches Personal vom IfK unterbringen lässt. Man war sich einig, dass unter den neuen Umständen die Vorbereitungen zur Aufnahme einer Sportlehrerausbildung am IfK nicht weiter verfolgt werden sollten.

 

Zu Fragen der Fakultät nahm der Rektor noch ein einziges Mal mit dem Institutsleiter Kontakt auf. Am 10. Dezember 1991 informierte er telefonisch, dass ein Treffen mit dem Gründungsdekan bevorstehe und dass er dabei folgende Positionen zum IfK festlegen wird: Die Hauptaufgabe des IfK, der Hochschulsport, bleibt bestehen. Er wird auch gegenüber dem Ministerium keine Umverteilung zulassen. Ebenso ist die Personalauswahl unter separater Sicht zu sehen. Während dieses Gesprächs informierte der Leiter den Rektor, dass ihm aufgrund seiner Mitwirkung in der Gründungskommission bekannt ist, dass an der Sportfakultät i.G. (in Gründung) für deren Personal am 31. März 1992 die befristeten Arbeitsverträge auslaufen und eine Beantragung zur Verlängerung vorbereitet wird[10]. Er betonte gegenüber dem Rektor, dass es sich im Unterschied dazu bei den Mitarbeitern des IfK um Festanstellungen handelt. Demzufolge müsse entsprechend dem geltenden Arbeitsrecht dieser Umstand vor künftigen Festlegungen zur Stellenbesetzung in der Sportfakultät beachtet werden. Er äußerte auch sein Bedenken darüber, dass gerade diese „Klippe“ von der Gründungskommission umgangen werden kann, wenn es zu einer großzügigen Anwendung  des § 127 des Sächsischen Hochschulerneuerungsgesetzes (SHEG) kommt (Stellenbesetzung ohne Ausschreibung mit eigenem Personal). In diesem Fall hätten die IfK-Mitarbeiter kaum eine Chance für eine Bewerbung an der Fakultät[11]. Vom Rektor kam zum wiederholten Male die Antwort: „Ich werde die Interessen des IfK als ursprüngliche Einrichtung der Universität vertreten.“  

 

1992 das Entscheidungsjahr

 

Die „demokratischen“ Erneuerer am Institut hatten noch nicht ihr Ziel zur Entmachtung der drei Leiter erreicht. Sie traten jetzt agiler und offener auf. Hinzu kam noch, dass es für die Leiter in ihrer täglichen Arbeit immer komplizierter wurde, weil sie wesentliche Informationen verspätet oder aus zweiter Hand erhielten. Im Unterschied zu ihnen war der Personalvertreter durch dessen Mitwirken im Universitäts-Personalrat und mehrere persönliche Vorsprachen beim Rektor immer eher und umfassender informiert.

Die Befürchtungen des Institutsleiters zur Stellenbesetzung in der Fakultät i.G. wurden schon zu Jahresbeginn zur Tatsache. Vom Wissenschaftsminister war die künftige Personalstruktur bestätigt worden. Danach sah es so aus, dass bis auf wenige Ausnahmen ein „Freibrief“ zur Anwendung des § 127 gegeben wurde.

 

Im Unterschied dazu war eine Ministerbestätigung zur künftigen Struktur des Hochschulsports dem Institutsleiter offiziell noch nicht bekannt geworden. Aber von dritten Stellen erfuhr dieser davon (Gründungsdekan, Haushaltkommission). In dieser verfahrenen Situation meldete er sich am 12. März telefonisch beim Rektor und teilte dem mit, dass er inoffizielle Informationen zur Personalausstattung des Hochschulsports an der Universität und der anderen Leipziger Hochschulen erhalten hatte. Der Rektor ermöglichte ein Gespräch schon einen Tag später. Anwesend waren der Rektor, der Prorektor und der Kanzler! Der Rektor trat gereizt auf: „Eine Beschwerde über Nichtinformiertheit hat keinen Zweck. Heute und hier wird über den Hochschulsport entschieden.“ Beim Einwurf vom Institutsleiter, dass von den ihm bekannt gewordenen Sportlehrerstellen (4 bis 5), allein 2 bis 3 mit Personal der anderen Hochschulen besetzt werden sollen, empörte sich der Rektor: „Sie haben die letzte Chance über eine Anbindung der Zentralstelle Hochschulsport an die Universität mit zu entscheiden, sonst kommt sie an eine andere Einrichtung“. Unter diesem Aspekt entschied man sich selbstverständlich für einen Aufbau der Zentralstelle Hochschulsport an der Universität. Der Rektor sicherte zu, dass die Zentralstelle losgelöst von der Sportfakultät bleibt und dass die Vorschläge des IfK zu einer Kooperation mit der Fakultät in Fragen der gemeinsamen Nutzung der Sportstätten, des Freizeit- und Behindertensports, der wissenschaftlichen Mitwirkung, des studentischen Praktikumseinsatzes und der Übungsleiter in einer der nächsten Zusammenkünfte mit dem Gründungsdekan Beachtung finden werden. In der anschließenden Debatte über die personelle Ausstattung wurde der Institutsleiter wegen „seiner“ in der Konzeption ausgewiesenen 15 Sportlehrerstellen erneut gemaßregelt. Der Leiter versuchte darauf zu weisen, dass diese Zahl aus der Forderung seiner Mitarbeiter resultiert. Nun reagierte auch der Kanzler gereizt, dem Institutsleiter müsse doch seit seinem Auftritt vor der Haushaltkommission bekannt sein, dass nach westdeutschen Maßstäben zu bilanzieren sei. Offiziell ausgesprochen wurden nun, dass die Zentralstelle mit drei Sportlehrern und einem Sachbearbeiter ausgestattet wird. Der Einwurf vom Leiter, dass diese personelle Absicherung für eine Zentraleinrichtung unzureichend ist, führte zur Festlegung, beim Minister eine Aufstockung aus einem anderen Kontingent zu beantragen. Für den Institutsleiter gab es den Auftrag, bis zum 20. März eine Vorlage über die dringend benötigten Sportstätten und „überlebensnotwendiges“ Hallen- und Platzpersonal vorzulegen.

Dann führte der Prorektor an, dass aufgrund der Besonderheit des Hochschulsports gegenüber den anderen Wissenschaften bisher auf eine fachliche Evaluierung der Sportlehrer verzichtet wurde. Darum sollte der Institutsleiter ad hoc die Zusammensetzung der dazu benötigten Fachkommission benennen. Es kam zu folgender Festlegung: 3 Mitglieder vom ADH; 2 von der Sportfakultät; 1 Person aus der Öffentlichkeit (Leiter des Sportamtes der Stadt); 1 Mitglied des Studentenrats und 1 Angehöriger des IfK. Der Institutsleiter wurde angewiesen, sich um eine Besetzung mit entsprechenden Personen zu kümmern, deren Bereitschaft einzuholen und auch bis 20. März die Vorlage einzureichen. Nach dem wiederholten Einwurf des Institutsleiters, seinen Mitarbeitern die Tür zu einer Bewerbung in der Sportfakultät offenzuhalten versprach der Rektor, den „Prozess der Stellenbesetzung in der Sportfakultät genau zu beobachten und unter die Kuratel des Rektors und Prorektors“ zu stellen.

 

In der inzwischen gewohnten hektischer Arbeitsweise benannte die erweiterte Institutsleitung Vorschläge für die Fachkommission und nahm mit den betreffenden Personen Kontakt auf. Man entschied sich auch dafür, dass die für das Institut vorgesehene Stelle dessen Personalvertreter einnehmen sollte. Dazu äußerte der Institutsleiter Bedenken in punkto Voreingenommenheit[12]. Termingemäß wurden die beiden Vorlagen dem Rektor übermittelt.

Am Institut wurde in zwei Vollversammlungen zu dieser Thematik weiter diskutiert. Der Personalvertreter teilte dort auch mit, dass sich der Personalrat der Universität mit „unseren“ Besetzungsvorschlägen für die Fachkommission befasst hatte. Der schlägt aber vor, statt einen nun doch zwei Vertreter vom Institut dafür zu benennen. Außerdem teilte der Personalvertreter mit, dass der Prorektor ihn beauftragt habe, Kriterien für die fachliche Evaluierung vorzulegen.

Natürlich gehörte vor allem die zweite Information zum Thema der Dienstberatung innerhalb der Institutsleitung am 10. April. Die Institutsleiter fühlten sich durch die vom  Prorektor getroffene Festlegung zur fachlichen Evaluierung einerseits als Fachkräfte und andererseits auch in ihrem bisherigen Mühen um möglichste Transparenz brüskiert[13]. Zur Anfrage des Leiters an den Personalvertreter, welche Position er nun letztendlich zur Besetzung der Fachkommission einnimmt, da er doch die Vorschläge vom 19. März mit erarbeitet hatte, kam die Antwort: „Man sollte doch die Arbeit dieser Kommission nicht überbewerten. Deren Tätigkeit hat eigentlich eine Alibifunktion und entscheidet nicht über die Stellenbesetzung.“ Damit sollte er später im konkreten  Fall Recht behalten. Nun endlich war den drei Leitern klar, wie die Leitung der Universität zu ihnen und ihrer aufopferungsvollen Arbeit stand und wer künftig das Sagen hat. Diese offene Brüskierung löste sicherlich bei den Leitern eine Trotzreaktion unter dem Motto aus: Jetzt erst recht und bis zum bitteren Ende!      

 

Die Stimmung am Institut war inzwischen „am Sieden“. Irgendjemand wird den Prorektor davon informiert haben. Für den 27. April lässt er eine Vollversammlung anberaumen. Dort versucht er relativ geschickt durch demütiges Auftreten die Spannung zu entschärfen. Die üblichen Probleme stehen zur Diskussion. Das Kollegium kann ihm sogar zur künftigen Personalbesetzung ein Einlenken „entlocken“. Der Prorektor bekennt sich nicht mehr ausschließlich zu seinen Doktrin „3 + 1“ Stelle, sondern fügt noch den möglichen Faktor „x“ (3 + 1 + x) hinzu. Zur Stellenbesetzung in der Sportfakultät befragt verkündet er, dass etwa 70 Prozent der Wissenschaftlerstellen ausgeschrieben werden[14].

 

In dieser komplizierten Situation wollte die Institutsleitung keine Chance ungenutzt lassen und versuchte den Sportvertreter des Studentenrates, der in einigen wesentlichen Gremien, so z.B. in der Fachkommission vertreten war, und auch dessen Vorsitzenden, zum wiederholten Male auf die personellen Belange und kritische Situation im Hochschulsport aufmerksam zu machen. Man kam zu keinem nennenswerten Ergebnis. Im Gegenteil, in Gesprächen des Studentenvertreters mit dem Prorektor und in anderen Führungsgremien kam ein gewisses Profilierungsgebaren zum Ausdruck. Das äußerte sich u.a. darin, dass dieser sogar für einen Hochschulsport unter der Regie des Studentenrates plädierte.

 

Im Mai mussten unbedingt die Vorbereitungsarbeiten für das folgende Studienjahr beginnen. Schon bei der Planung für die Sportstätten offenbarten sich die Probleme. Inwieweit können wir die Sportanlagen der Fakultät nutzen? Welche Fremdanlagen müssen gemietet werden? Hierzu stand auch die Frage im Raum: Was wird aus den zwei Konzeptionen zur umfassenden Sanierung und anschließenden multifunktionalen Nutzung der bis dato größten Sportkomplexe in der Fichtestraße[15] und an der Wettinbrücke[16]? Bei der Finanzplanung sah es nicht anders aus: Die Sportlehrer werden entlassen, für Übungsleiter und andere werden Honorarmittel benötigt, Mieten usw. Keiner in der Universität gab verbindliche Auskunft. Für die Personalplanung war nur die unverbindliche Floskel „3 +1 + x“ bekannt. Wer wird sich hinter diesen Zahlen befinden? Die Perspektive des technischen Personals bereitete weniger Sorgen. Man ging davon aus: Solange die Universität ihre Sportanlagen behält, wird auch Personal benötigt. Aus dieser Situation heraus wurde versucht, das möglich Machbare zu erledigen.

Der nächste Tiefschlag erfolgte am 11. Mai. Da wurde der Stellen- und Strukturplan in der Gründungskommission der Sportfakultät i.G. endgültig beschlossen. Bei 45 Wissenschaftlerstellen waren vorerst 9 Professuren vorgesehen. Nur maximal 17 Stellen aus dem Mittelbau sollten zur Ausschreibung kommen. Die Mehrzahl davon waren befristete Stellen auf 3 bis 6 Jahre. Die restlichen 18 Stellen waren unbefristet. Hier kam der § 127 zur Anwendung. D.h., diese Stellen waren schon mit bestimmten Personen belegt. Alle Mitglieder der Gründungskommission, außer die beiden West-Professoren sowie der Leiter des IfK, belohnten sich selbst für ihre über 2 Jahre andauernde aufopferungsvolle Arbeit mit einer höchst möglichen Einstufung. Die künftige Stelle für den Gründungsdekan stand nicht zur Diskussion. Der Ministerbescheid brachte dann nur geringfügige Änderungen[17].

 

In dieser Situation forderte das Kollegium des IfK endlich klare Worte von der Universitätsleitung, denn der Institutsleiter konnte sie ihnen nicht geben. Der Prorektor erschien auf Wunsch (Forderung!) des Institutsleiters zur nächsten Lehrkräftevollversammlung am 14. Mai. Den noch verbliebenen 38 Sportlehrern erläuterte er zum x-ten Male, dass deren Vorstellungen für eine Mindestbesetzung (es waren immer noch 10 Stellen gefordert!) nicht zu realisieren sind[18]. Es wird bei der Festlegung „3 + 1“ bleiben. Bei Bewilligung einer Zentralestelle für Hochschulsport käme dann noch der schon einmal benannte Stellenfaktor „x“ hinzu. Die Vorstellungen des Instituts, zur sozialen Absicherung wenigstens KW- und ABM-Stellen sowie Arbeit auf Honorarbasis zu ermöglichen, wurden abgewiesen. Der Prorektor „bedauerte“, dass es keinen Sozialplan geben wird. Als künftiger Kündigungsgrund wurde von ihm „Mangel an Bedarf“ genannt und der 30.September 1992 als endgültiger Kündigungstermin. Der Gesprächsverlauf scheint auf das Kollegium ernüchternd gewirkt haben, so dass eine mögliche Bewerbung an der Sportfakultät nur am Rande zur Sprache kam[19].

Nicht unerwähnt soll bleiben, dass der Gründungsdekan Ende Mai dem Institutsleiter unter Vier-Augen sagte: „Ehe Du es von anderen erfährst, ich habe gestern Magnifizenz gefragt, wie lange er Dich noch halten will!“[20]    

 

Die Endphase wird eingeleitet

 

Am 3. Juni wird der Institutsleiter ohne Angabe eines Grundes zum Rektor geladen. Anwesend waren: Rektor, Prorektor, stellvertretende Institutsleiterin, der Personal- und der Gewerkschaftsvertreter des IfK.

Der Rektor nannte das Thema: „Vorbereitung zur Ablösung des Direktors.“ Er versuchte es damit zu begründen, dass ihm bekannt wurde, am Institut herrsche eine innere Spannung deren Ursache eine ungenügende Vergangenheitsbewältigung ist. Diese Konfliktsituation könne nicht bestehen bleiben, wenn es um die künftigen Stellen geht. Ihm sei das besonders aufgefallen, als es um die Besetzung der Fachkommission ging[21].

Nun konnte sich auch der Personalvertreter äußern: Die Erneuerung am Institut wäre nicht vorangekommen, weil die leitenden Genossen nicht in die 2. Reihe getreten sind. Der Direktor hätte bei der Vertrauensabstimmung im September 1990 nicht das Vertrauen aller Angehörigen gehabt. Dann bei der Leiterwahl wäre die Vorbereitungszeit zu kurz gewesen, um das entsprechende Wahlverfahren zu finden. Anschließend wäre das Kollegium überrascht gewesen, dass die alte Leitung ihren Führungsanspruch weiter aufrechterhielt. Vom Direktor kam die ganze Zeit nie ein Wort des Bedauerns über das alte Regime.

Der Prorektor äußerte dazu, dass man die Wahl revidieren kann, zumal der wenigen Stimmen.

Der Institutsleiter widersprach, dass er keine Revidierung zulasse. Er stellte dem Rektor anheim, doch selbst vor dem Kollegium die Situation zu erläutern und dieses entscheiden zu lassen[22].

Der Rektor stellt fest, dass es für eine Neuwahl keine gesetzlichen Grundlagen gibt. Es wären an ihn Universitätspersonen herangetreten und hätten geäußert: „… ist wohl ihr Liebling, deshalb hält er sich so lange!“. In höherer Tonstufe erfolgte der Ausruf: „Ich dachte bisher, Sie wären einer von uns! Ich wusste auch nichts über den knappen Ausgang der Vertrauensfrage und der Wahl. An Ihrer Stelle hätte ich die Wahl nicht angenommen. Ich habe ein größeres Vertrauen erhalten!“

Erwiderung des Institutsleiters: „Die Wahl war korrekt. Ich sah keinen Grund, das Mandat nicht anzunehmen zumal der Zweitplazierte nur 10 Stimmen hatte. Der Personalvertreter hatte bei seiner Wahl mit 21 von 45 möglichen Stimmen die absolute Mehrheit ebenfalls nicht erzielt. Über meine Person und Vergangenheit habe ich Sie bei unserem Gespräch im April 1991 informiert.“

Der Prorektor lässt sich weiterhin über die Wahlen aus.

Der Rektor unterbricht ihn: „Keine Zahlenspielerei mehr. Am Institut muss schleunigst das Vertrauen wieder hergestellt werden. Am Institut geht nichts seinen normalen Gang. Das Institut beschäftigt uns am meisten.“ „Herr … Sie können Ihr Gesicht waren durch Rücktritt!“

Personalvertreter: “Ja, demokratische Gepflogenheiten endlich wieder herstellen. (…) hat nicht die Institutsangehörigen für sich. Seit langem treten die 5(?) gewählten Personalvertreter für Veränderungen ein.“

Nun kam der Gewerkschaftsvertreter zu Wort. Er sagte, dass die Leitung weiter die Kaderpolitik der SED durchgeführt hat und dass der Leiter die Wahl zur Fachkommission beeinflusst habe.

Jetzt die Stellvertreterin: „Ich bin nach der Wahl vom Institutsleiter zur Stellvertreterin ernannt worden, war SED-Mitglied und erst kurz vor der Wende Stellvertreterin geworden. Ich habe von den Kollegen auch das Vertrauen neben …(gemeint war der Personalvertreter) als Delegierte zum Konzil erhalten.“

Prorektor: „Wie war denn das genauer mit den Konzilsdelegierten? Die Wahl von Ihnen beiden zeigt eindeutig die Vertrauensbasis.“

Einwand des Leiters: „Ich glaube als Drittplazierter mit nur geringem Stimmenabstand hatte ich auch Vertrauen im Kollegium.“

Prorektor: „Das IfK wird dem Rektorat unterstellt. Die Amtsgeschäfte übernimmt eine Person des Vertrauens. In diesem Fall eine Konzilsdelegierte. Herr … (gemeint war der Personalvertreter), Sie übernehmen die Amtsgeschäfte.“

Personalvertreter: „Kann ich nicht, ich beabsichtige trotz Kündigungsschutz schon jetzt in den Vorruhestand zu gehen.“

Prorektor: „Dann Sie Frau ….“

Rektor: „Herr … (gemeint Personalvertreter) Sie wären bitte so freundlich, sich bis zu Ihrem Ausscheiden als Berater zur Verfügung zu stellen.“

Personalvertreter: „Ja gerne!“

Stellvertreterin: Schwerer Entscheid. „Ich nehme an!“

Es folgten weniger interessante Passagen.

Nun wieder der Rektor: „Herr …, bitte verstehen Sie meine Aufforderung zum Rücktritt nicht als Nötigung. Sie können jetzt entscheiden, ansonsten berufe ich Sie ab.“

Noch-Institutsleiter „Die 90er Wahlen kann auch ich nicht annullieren, ich sehe darin keine Unrechtmäßigkeiten.“

Rektor: „Ich erwarte Ihr Ergebnis bis Dienstag 9.00 Uhr.“

 

Der Institutsleiter wurde in einer eigens dafür anberaumten Vollversammlung (die x-te in diesem Halbjahr!) vom Prorektor abberufen[23]. Über diesen einzigen Tagungsordnungspunkt fertigte der Sekretär des Prorektors sogar ein Protokoll an!

Die Reformkräfte hatten wenigstens ein Minimalziel erreicht. Deshalb gaben sie sich mit dem Machtwort des Rektors zufrieden, dass die ehemalige Stellvertreterin und Genossin nun Regie führt. Mit dem Personalvertreter als „Berater“ hatte sie für einige Monate einen Erneuerer an der Seite.

 

Die Personalstellen werden besetzt

 

Die stürmische Zeit seit November 1989 ging, da inzwischen generelle Entscheide und Festlegungen gefallen waren, ihrem Ende entgegen. Künftige Strukturen waren beschlossen und es bestand nur noch die Aufgabe darin, diese mit Personen auszufüllen. Eine der Vorarbeiten dazu begann laut Ministerverfügung schon ab 1. April 1992. Alle wissenschaftlich Beschäftigten hatten eine „schriftliche Darstellung … zu ihrer … Eignung“ an das Personaldezernat abzugeben. Diese Unterlagen dienten zur Vorsichtung und bildeten die Grundvoraussetzung für die „Zulassung“ zu einer Bewerbung.

In einem „Zwischenentscheid“ von der Personalkommission der „Geisteswissenschaften“ am 8. Juli, dem eine Woche später noch ein Nachtrag folgte, waren alle Lehrkräfte des Instituts namentlich aufgeführt, die diese erste Bewerbungshürde nach § 75 des SHEG (keine Mitwirkung für die Staatssicherheit, erforderliche Fachkompetenz, persönliche Eignung) und § 78 (Mitwirkung und Funktionen in politischen Parteien, gesellschaftlichen Organisationen … Behinderung v. Hochschulmitgliedern) bestanden hatten. Der ehemalige Institutsleiter war als einziger nicht in der Liste aufgeführt. Eben aus diesem Grunde erhielt er am 15. Juli einen Brief von der Personalkommission mit der Aufforderung „zu einem rechtlichen Gehör zu erscheinen“. Dort sollte er sich „im Rahmen eines Verfahrens über … (seinen) Anteil bei der Benachteiligung von Herrn …“ äußern. Man räumte ihm die Möglichkeit ein, innerhalb von zwei Wochen seine Meinung schriftlich abzugeben.

Beim „Gehör“ am 18. August legte die Sprecherin der Personalkommission, natürlich im Beisein des Institutsvertreters[24], das Anschuldigungsschreiben (ein DIN A5 Zettel aus einem Heft gerissen, handschriftlich mit Bleistift!) zur Einsichtnahme vor. Der Anschuldigungsgrund bestand darin, dass dem Betreffenden im Frühjahr 1989 eine ihm zur Qualifizierung gewährte Stundenminderung von wöchentlich 20 Prozent gestrichen wurde. Die Begründung dafür sah die Institutsleitung damals darin, dass er trotz Arbeitsminderung nach über zwei Jahren intensiver Betreuung im Doktorandenseminar noch nicht einmal eine Konzeption zur Dissertation vorzeigen konnte[25]. Es gab noch eine zweite Anschuldigung vom betreffenden Mitarbeiter, die aus Sicht des Angeklagten nebensächlichen Charakter hatte, und durch Entlastungmaterial belegt werden konnte.  Natürlich führte das Gespräch zu keinem sofortigen Entscheid.    

 

Am 25. Juli veröffentlichte die Universität ihre Stellenausschreibungen u.a. in der Leipziger Volkszeitung[26]. Für den Zentralen Hochschulsport waren das in der Vergütungsgruppe (VG) A14/Ib eine Stelle (Leiter) und in der VG IIa zwei Stellen „für besondere Aufgaben“. Für die zu gründende Sportfakultät bot man nun doch weniger Stellen (14,5) zur Ausschreibung an, als ursprünglich bekannt. Ein Teil von ihnen war befristet. In einem Dokument der Gründungskommission wurden weitere 19 Stellen nach § 127 namentlich benannt. Hinzu kamen noch die Stellen der Mitglieder aus der Gründungskommission. Als Bewerbungsfrist war der 7. August angegeben.

Die Stellenausschreibungen für den Hochschulsport entsprachen genau den Tätigkeiten die der ehemalige Institutsleiter erst als Lehrer ab 1978 und dann als Leiter ab 1987 ausübte. Deshalb bewarb er sich termingemäß für die Leiterstelle. Außerdem gab er in seinem Bewerbungsschreiben bekannt, dass er auch auf eine der beiden Stellen in der VG IIa reflektierte.

Am 25. September bekam der Ex-Institutsleiter vom Prorektor sein Kündigungsschreiben „wegen mangelnden Bedarfs“ zum 31.12.1992 überreicht. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er offiziell keine Information über seine Bewerbung erhalten.

 

Der Betroffene reichte eine Klage gegen den Freistaat Sachsen (Universität Leipzig) beim Arbeitsgericht ein. Wie die anschließenden zwei Prozesse (Arbeitsgericht Leipzig, Landesarbeitsgericht Chemnitz) aufzeigten, wurden bewusst Festlegungen des Rektors und des Personalrats zum geltenden Arbeitsrecht eben von diesen Personen gebeugt bzw. missachtet.

Einige Beispiele dazu:

- Die Fachkommission prüfte am 9. Juli die fachliche Eignung aller Institutsangehörigen[27].  

- Am 18. und 19. August tagte die Stellenbesetzungskommission. Im Protokoll dazu ist vermerkt: Kriterien für die Auswahl der Kandidaten, die „zu einem persönlichen Gespräch geeignet erscheinen … waren die in der Ausschreibung genannten Merkmale“. Der ehemalige Institutsleiter gehörte nicht zu den Eingeladenen. Auf einer Anlage zum Protokoll, wo die vier Bewerber für die Leiterstelle aufgeführt waren (der ehemalige Leiter, seine beiden Stellvertreter, ein Wissenschaftler aus der Sportfakultät), stand neben seinem Namen: „Erfüllt nicht die Kriterien“. Die Besetzungskommission entschied, die künftige Leiterstelle mit der ehemaligen Stellvertreterin, der derzeitigen kommissarischen Leiterin zu besetzen[28].

- Für die beiden Mitarbeiterstellen für besondere Aufgaben waren acht Bewerber aus dem Institut zum Eignungsgespräch geladen. Eine Stelle erhielt der Vertreter des Instituts, der in der Personalkommission der „Geisteswissenschaften“ über die moralische und politische Eignung der Institutsangehörigen mit entschieden hatte[29]. Die zweite Stelle erhielt ein Mitarbeiter (Lehrer für Rudern), der zumindest seit 1990 in keinerlei Weise sich in der täglichen Arbeit durch besonderes Engagement ausgezeichnet hatte und überhaupt kein Interesse zeigte, den neuen Anforderungen gerecht zu werden[30].

- Als nächste Besonderheit aus der Arbeit der Stellenbesetzungskommission wurde bekannt, dass man dort 3 Stellen mit VG Ib und 1 Stelle VG IIa, alle befristet, gezielt ganz bestimmten Personen im Laufe des Vorstellungsgesprächs anbot, obgleich diese vier Stellen vorher überhaupt nicht zur Ausschreibung gelangten. Eine dieser Stellen erhielt eine Mitarbeiterin, die früher einmal im Rudern Leistungssport betrieben hatte. Eine andere Stelle in der VG Ib erhielt sogar ein Nichtpromovierter.

- Nur ein einziger Mitarbeiter des IfK bekam in der Sportfakultät eine Anstellung (C I, befr.) als Assistent für Wasserfahr- und Wintersport[31]. Somit schließt sich der Kreis. Damit waren alle Lehrkräfte des IfK, die sich jemals mit Rudern beschäftigt hatten, versorgt. Diese Anomalität bei den Stellenbesetzungen sowohl im Hochschulsport als auch in der Sportfakultät ist sicherlich rein zufällig, selbst wenn in beiden Stellenbesetzungskommissionen der Sachgebietsleiter des Personaldezernats der Universität (ein ehemaliger Ruderer!) Beisitzer war. 

- Vom Beklagten wurde in den Verhandlungen vor dem Arbeitsgericht dem Kläger vorgeworfen, er habe keinen Anspruch auf die Berücksichtigung seiner Person bei der Stellenbesetzung in der Sportfakultät, da er sich dort überhaupt nicht beworben hat. Der ehemalige Institutsleiter sah aber dazu überhaupt keine Veranlassung. Einerseits war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Stellenausschreibungen wie auch zum Bewerbungsschluss seine Kündigung nicht ausgesprochen und andererseits verfügte er im Bereich des Hochschulsports als einziger der Infrage kommenden Bewerber über eine fachgerechte Qualifikation (Promotion und Habilitation zum Hochschulsport/ Sportwissenschaft und Sportgeschichte). Außerdem hätte die Universität aufgrund seines unbefristeten Anstellungsverhältnisses eine Einsatzmöglichkeit in der Sportfakultät prüfen, ja sogar anbieten müssen. Denn schon in seiner persönlichen „Darstellung zur Eignung“ im April hatte er ausführlich über seinen beruflichen Werdegang berichtet und wiederholte das nochmals in seiner Bewerbung zum Hochschulsport im Juli. Dort war zu lesen, dass er mehrere Jahre als Lehrer an der DHfK beschäftig war, welche Fach- und Forschungsrichtung er dort vertrat, welche Publikationen erschienen waren und welche Qualifikationen er besaß. Sein Einsatz in der Fakultät wäre aufgrund seiner fachlichen Befähigung und Qualifizierung auf drei Stellen möglich gewesen: Stelle A 13 Wasserfahrsport/Kanu (nicht ausgeschrieben)[32], Stelle C 2 Sportgeschichte (nicht ausgeschrieben)[33], Stelle A14/B1 Sportgeschichte/Soziologie (befristet)[34].

- Der als fachlich ungeeignet befundene ehemalige Institutsleiter wandte sich wegen seiner Nichtbeachtung beim Vorstellungsgespräch vor der Stellenbesetzungskommission am 26. August mit einem Brief an den sächsischen Staatsminister für Wissenschaft und Kunst. Er bat um ein Gespräch und deutete durch Aufzählung einiger Beweggründe an, dass seitens der Universität Fehler begangen wurden. Am 8. September folgte das Antwortschreiben. Darin wurde auf das Personaldezernat der Universität als Entscheidungsinstanz verwiesen. Es wurde kein Gesprächsangebot unterbreitet. Die Hinweise zu Fehlern der Universitätsleitung wurden ignoriert. Aufgrund der Empfehlung folgte nun vom Ex-Institutsleiter ein Schreiben ähnlichen Inhalts an den Personaldezernenten. Von dem blieb eine Antwort aus. Statt seiner meldete sich der Prorektor am 12. Oktober und teilte mit, dass die Fachkommission am 9. Juli die „fachliche Kompetenz entsprechend § 75 SHEG zuerkannt“ hatte. Nun folgte der nächste Fauxpas: „Zugleich war vereinbart worden, in Blick auf Ihre wissenschaftliche Arbeit noch ein Gutachten einzuholen, das in die Gesamtarbeit eingeflossen ist und das bisherige Votum insofern bestätigt und empfiehlt, die Chance zu einer Qualifizierung zu geben.“ Was mit der Chance zur Qualifizierung für einen Spezialisten im Fach und dort auch Habilitierten gemeint war, wird ein Geheimnis des Prorektors bleiben. Die beiden Schreiben an den Staatsminister und Personaldezernenten bedauerte er, „da sie in zahlreichen Punkten meines Erachtens nicht dem tatsächlichen Verlauf entsprechen“.

- Erst ein Jahr später, nämlich am 5. Oktober 1993(!) kam vom Minister die Mitteilung, dass der ehemalige Institutsleiter für eine wissenschaftliche Tätigkeit an sächsischen Hochschulen zugelassen sei. Es ist anzunehmen, dass die Bearbeitung zu seiner politischen und menschlichen Integrität nach § 78 bewusst verzögert wurde[35].  Dieser Zulassungsbescheid hatte sich in der Zwischenzeit für den früheren Institutsleiter schon erübrigt. Sein Faktenwissen und die Insiderkenntnisse reichten aus, um durch zwei gewonnene Verfahren am Arbeitsgericht Leipzig und am Landesarbeitsgericht Chemnitz (Urteil vom 15.4.1993) die Universität „zur Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses über den 1. Januar 1993 hinaus“ zu zwingen[36]. Nach der Urteilsverkündung meldete sich der Ex-Leiter im April beim Personaldezernenten der Universität zum Dienstantritt. Sofort wurde ihm ein Hausverbot erteilt! Das störte ihn kaum, denn inzwischen hatte er eine ihn genehmere Anstellung in einer anderen Einrichtung erhalten und kündigte per 30. April selbst sein Arbeitsverhältnis an der Universität.

 

 

 

Resümee

 

Zum einen beugte der Rektor seine getroffene Festlegung, indem er den demokratisch gewählten Institutsleiter seines Amtes enthob, weil er dessen Wahlergebnis nicht akzeptierte. Und zum anderen wurde dann das Arbeitsverhältnis des ehemaligen Institutsleiters nach folgendem Szenarium beendet. Zunächst wird für die offenen Stellen, für die er sich bewarb, seine Nichteignung frei erfunden. Dann wurde die Entscheidung getroffen, die Stellen mit anderen Personen zu besetzen. Noch bevor die zu erwartende Entscheidung, dass der Ex-Institutsleiter die fachliche und persönliche Eignung (für diese Stellen) besitzt (12.10.1992 bzw. 25.10.1993) getroffen war und noch bevor die freien Stellen im Hochschulsport und in der Sportfakultät i.G. tatsächlich besetzt waren (1.10.92), wurde sein Arbeitsverhältnis wegen mangelnden Bedarfs am 25.9.1992 gekündigt[37].

 

Was nun die ebenfalls auf der „Strecke“ gebliebenen 21 Mitarbeiter des IfK anbelangt, so könnte man ein ähnliches Szenarium konstruieren. Der Universitätsleitung war der hohe Qualifikationsstand, zumindest einiger Institutsangehöriger, bekannt. Wie sonst hätte der Rektor im Dezember 1990 den Antrag zur Wiederaufnahme der Sportlehrerausbildung am IfK beim Ministerium stellen können. Sowohl aus fachlicher und arbeitsrechtlicher Sicht, alle Mitarbeiter des IfK besaßen einen unbefristeten Arbeitsvertrag während die Angehörigen der Sportfakultät i.G. nur Zeitverträge vorweisen konnten, hätte die Universität bei der geplanten Veränderung rechtzeitig prüfen müssen, ob einer Entlassung durch Umsetzung vorzubeugen wäre. Eben gerade darauf hatte der Rektor in der Universitätszeitung am 26.11.1990 und dann auch der Personalrat in seinem Informationsblatt Nr. 18 im Oktober 1992(!) verwiesen. Dem Rektor, dem Prorektor und dem stellvertretenden Personalratsvorsitzenden als Unterzeichner der Bestätigung zur Entlassung des ehemaligen Institutsleiters und seiner Mitarbeiter waren also diese Regelungen bekannt. Genau aus diesem Grunde wies der Institutsleiter diese drei Verantwortungsträger in den letzten beiden Jahren mehrfach auf die Besonderheiten bei Stellenbesetzungen zwischen dem Institut für Körpererziehung und der Sportfakultät hin. Wie die Ausführungen eingangs gezeigt haben, bestätigten diese Entscheidungsträger dem Institutsleiter und seinen Mitarbeitern wiederholt ihre Verantwortung innerhalb dieses Prozesses. Am Ende haben sie allesamt, bedauerlicherweise auch der Verantwortliche des Personalrats und sein Vertreter am IfK, mit der Entlassung der 21 Institutsmitarbeiter bestehendes Recht gebeugt!

 

 

Das Institut für Körpererziehung wurde am 31. Dezember 1992 geschlossen und dafür am 1. Januar 1993 die Zentraleinrichtung für Hochschulsport eröffnet. Die Gründung der Fakultät für Sportwissenschaften erfolgte am 8. Dezember 1993.

 

 

Dieses Beispiel stellte an der Universität Leipzig im Prozess der Erneuerung kein Einzelfall dar. Rigoros wurden für beinahe alle Leiter von Struktureinrichtungen Gründe gesucht oder auch erfunden, um deren Entlassung aus dem Arbeitsprozess „begründen“ zu können, selbst wenn es sich bei einigen Personen um international renommierte Wissenschaftler handelte! Seltsamerweise überlebte aber der letzte „sozialistische“ Rektor diesen Selektierungsprozess. Der Grund bestand sicherlich darin, weil er ein Fachkollege (Chemiker) des Erneuerungsrektors war.

 

 

Hans-Jörg Kirste  

 

Leipzig im November 2013



[1] Vorgegeben war eine Mindestteilnahme von nur 20 Stunden im Studienjahr statt bisher 2 Wochenstunden über zwei volle Semester.

[2] Das IfK richtete im November 1990 die zentrale Einigungsversammlung des Universitätssports Ost mit dem Hochschulsportverband West (ADH) aus.

[3] Vier Promovierte verzichteten von vornherein auf eine Kandidatur.

[4] Rang 4=7, 5=1, 6=0 Stimmen

[5] Dieser Vorschlag resultierte sicherlich nicht vordergründig aus der o.g. Situation heraus. Denn der betreffende Stellvertreter ließ schon 1987 erkennen, dass er selbst die Leiterstelle angestrebt hatte. Diesen „Verdrängungsgesichtspunkt“ mit in Erwägung ziehend, veranlasste den Institutsleiter erst recht, im Amt zu verbleiben. Zwei Jahre später wurde bekannt, dass dieser Stellvertreter inoffizieller Informant bei der Staatssicherheit war. So hatte er beispielsweise noch im Mai 1989 in einem Bericht geschrieben, dass sein Institutsleiter als Wissenschaftler ungeeignet erscheint! Außerdem verschwieg er im Oktober 1990 in seiner Ehrenerklärung an den Vertrauensausschuss des Senats seine Zusammenarbeit mit der Staatssicherheit. Im Sommer 1992 bewarb sich dieser „IM“ sogar um die Leiterstelle für die neue Zentraleinrichtung Hochschulsport.

[6] Allein 7 neue Qualifizierungsvorhaben, die in einem eigens dafür am IfK angesetzten Doktorandenseminar wissenschaftlich betreut wurden.

[7] Für Qualifizierungsvorhaben, Kongressbesuche u. ä. gewährte die Institutsleitung schon ab 1990 jedem Mitarbeiter mindestens 5 Tage bezahlte Freistellung.

[8] Der Interimsrektor reagierte noch darauf, sein Nachfolger bis auf die hier dargestellten Ausnahmen kaum.

[9] Das Treffen fand im Mai statt. Inhalte: Die vorgelegte Konzeption der DHfK enthielt nach Meinung des Senats immer noch zu viele Elemente, die deren weitere Eigenständigkeit aufzeigten. Deshalb, kam eingangs vom Rektor die Drohung, dass die Universität nicht bereit sei, sich mit der Fakultätsgründung zu befassen, solange die Bemühungen zur Eigenständigkeit weiter verfolgt werden. Beraten wurden dann Fragen zum Verhältnis zwischen der künftigen Fakultät zum IAT - z.B. Zusammenarbeit Lehre u. Forschung; IAT evtl. als An-Institut der Uni. Die Anwesenheit des IfK-Leiters und eine eventuelle Bezugnahme zum IfK wurden vom Rektor ignoriert. Diese Zusammenkunft war bis zur Fakultätsgründung am 8.12.1993 die einzige, wozu der Delegierte des Senats vom Rektor/Senat hinzugezogen wurde!

[10] Einer Verlängerung bis zum 30.09.1992 wurde doch stattgegeben.

[11] Immerhin waren am IfK 5 Promovierte und 1 Habilitierter beschäftigt, die vorher Lehrer an der DHfK gewesen waren.

[12] Offen sprach er nicht aus, dass er außerdem eine Vormachtstellung des Personalvertreters befürchtete. Genau das trat später ein. Der war Mitglied der Fachkommission, der Stellenbesetzungs-kommission sowohl für den Hochschulsport als auch für die Sportfakultät. In allen drei Gremien sorgte er aber nicht für die Umsetzung der fachlichen und arbeitsrechtlichen Interessen seiner Arbeitskollegen aus dem IfK.

[13] Um den gesamten Leitungsprozess transparent zu gestalten, achtete der Institutsleiter bewusst seit 1990 darauf, dass es am IfK zu keiner wesentlichen Entscheidung kommt, die nicht nur vom Personalvertreter und Gewerkschaftsobmann, sondern auch durch die Mitgliedervollversammlung mit getragen wurde.

[14] Zu diesem Zeitpunkt müssten ihm die realen Ministerzahlen bekannt gewesen sein!

[15] Unter konzeptioneller Führung des Sportreferenten der SPD-Bundestagsfraktion lagen Dokumente vor, die hier in der ehemaligen Arbeiter-Turn- und Sportschule und späteren Altrockinstitut u.a. ein Institut für Gegenwartssportgeschichte vorsahen – später an der Uni Potsdam eröffnet.

[16] Für diese Großsportanlage konnte ein Konsortium gefunden werden, das bereit war, kostenfrei für die Uni die von ihr benötigten Sportanlagen zu sanieren, wenn die Uni den restlichen Teil des Riesenareals für ein öffentlich genutztes Freizeitsportzentrum zur Verfügung stellen würde. Es gab auch die Zusicherung, dass Personal vom IfK übernommen wird.

[17] Ein Mitglied der Gründungskommission wurde vom Minister von der C-4 Professur auf C-3 herabgestuft weil er in der DDR-Zeit als Arzt im Radsport die Friedensfahrtmannschaft betreute. Ein anderes Mitglied erhielt die angestrebte Professur wegen zu geringer Publikationstätigkeit überhaupt nicht.

[18] Dem Institutsleiter war diese neuerliche Forderung von 10 Stellen überhaupt nicht bekannt.

[19] Ab März kursierten am Institut unter Unkenntnis des Leiters Dokumente, die vom Personal-, Gewerkschafts- und Mittelbauvertreter (letztgenannten Vertreter gab es überhaupt nicht, da sich der ursprünglich dafür Gewählte weigerte, diese Aufgabe wahrzunehmen) verbreitet wurden. In diese „Anspruchs-, Absichts- und Bereitschaftserklärungen für eine Mitwirkung in der Sportfakultät“ konnte sich jeder eintragen und seine möglichen Einsatzgebiete in der neuen Fakultät benennen. Was daraus wurde ist unbekannt.

[20] Für diese Anmaßung und Einmischung in Angelegenheiten einer anderen Einrichtung mag es zwei“?“ Gründe gegeben haben: Einerseits die gute Informiertheit über den „schleppenden“ Verlauf zur Erneuerung des IfK (der Tennispartner des Dekans war Angehöriger des IfK) und andererseits eine Neutralisierung des einzigen Insiders, der die Universitätsleitung betreffs Stellenbesetzung in der Fakultät an alte Zusagen erinnern könnte. 

[21] Zur Erinnerung: Rektor, Prorektor u. Kanzler hatten am 13.3. Besetzungsrichtlinien selbst vorgegeben und abschließend bestätigt. Danach hatte der Personalvertreter des IfK über den Personalrat versucht, einen zweiten Sportlehrer des Instituts für die Fachkommission zu benennen. Erinnert sei, dass gerade dieser Personalvertreter in der Leiterberatung des Instituts am 19.3. die Detailvorschläge mit erarbeitet hat und sogar die Mitwirkung in der künftigen Fachkommission als „Alibifunktion“ bezeichnete, die nach seiner Meinung keine Einwirkung auf die Stellenbesetzung haben wird.

[22] Der Institutsleiter übergab dem Prorektor die Wahlunterlagen. Dieser blättert darin und legt sie zur Seite.

[23] Nüchtern betrachtet war die Abberufung des Institutsleiters aus dem Amt das einzig „revolutionäre“ Ereignis am Noch-Institut. Die bisher und im geringen Maße auch nachher durchgeführten inhaltlichen und strukturellen Veränderungen waren von außen vorgegeben und wurden wie gewohnt vorbildlich umgesetzt. Ein gewisser Anachronismus bestand nun in der Ablösung des Leiters einerseits, weil er nicht reformfähig erschien, und andererseits in seiner Mitwirkung in der Gründungskommission der Sportfakultät bis zu deren Inaugurierung. Denn dort sollte (konnte) er weiterhin mitwirken bei der Umgestaltung der ehemals „Roten“ Hochschule zu einer erneuerten Lehreinrichtung!

[24] Inzwischen war das die 11.! Person am Institut, die gewählt werden musste!

[25] Im Übrigen wurde diese Festlegung vom damaligen Lehrgruppenleiter und jetzigen Personalvertreter mit entschieden!

[26] Interessanterweise enthielten die Ausschreibungen nicht die oben angeführten § 75 und § 78 des SHEG als maßgebende Einstellungskriterien!

[27] Auf die persönliche Anfrage des Ex-Institutsleiters an ein Kommissionsmitglied im Februar 1993 über den Ablauf am 9. Juli antwortet dieses: „Als Dein Name genannt wurde, hat der Prorektor festgelegt: Dieser Fall wird zum Schluss behandelt. Wir haben dann nicht mehr über Deine fachliche Evaluierung weder gesprochen noch entschieden“.

[28] Etwas ungewöhnlich erscheint in diesem Zusammenhang, dass zum Eignungsgespräch für die Leiterstelle ein Institutsangehöriger, Lehrer für Rudern (nichtpromoviert), geladen wurde, der zum einen schon im Juni seinen Antrag zur Inanspruchnahme der Vorruhestandsreglung eingereicht hatte und zum anderen überhaupt nicht auf der Bewerberliste aufgeführt war! Dessen Name tauchte dann auch noch in einer Liste der Sportfakultät i.G auf. Die betreffenden Stellen wären mit ihm aufgrund der fehlenden Qualifikation total unterbesetzt.

 

[29] Zu einem Nachrücker bei eventueller Nichtbesetzung mit dem Kandidaten zählte dann der zweite ehemalige Stellvertreter, der frühere „IM“.

[30] Auch dessen Name stand auf o.g. Fakultätsliste; es ist der schon genannte Tennispartner des Gründungsdekans.

[31] Diese auf ursprünglich 6 Jahre befristete Stelle ist von dem Betreffenden, vor seiner Anstellung am IfK war er Ruderlehrkraft an der DHfK, nach nunmehr 20 Jahren noch belegt. Die mit dieser Stelle ehemals verbundene Qualifizierungspflicht ist bis heute noch nicht eingelöst.

[32] Als ehemaliger Lehrer an der DHfK hatte er genau diese Stelle 8 Jahre inne gehabt, ehe er zur Uni wechselte. Sein Nachfolger erhielt diese Anstellung.  

[33] In Sportgeschichte hat der ehem. Leiter sich promoviert und habilitiert. Die Stelle ist mit einer fachfremden Person belegt worden, und sogar unterbesetzt.

[34] Besetzt mit einem promovierten Fachspezialisten. Auch hier wäre aufgrund der Qualifikation ein Einsatz des Ex-Leiters möglich gewesen. Mit Einrichtung dieser befristeten Stelle sollte der fachliche Ausfall durch o.g. C 2- Fehlbesetzung in der Sportgeschichte zumindest zeitweise kompensiert werden. Später übernahmen diese Lehrinhalte Honorarlehrkräfte!

[35] Laut SHEG vom 25.7.1991 § 81 hätte der Abschluss des Erneuerungsverfahrens „spätestens aber nach 18 Monaten nach Inkrafttreten dieses Gesetzes“ erfolgen müssen!

[36] Die Universität bzw. der Freistaat Sachsen nahmen das Angebot zur Revision beim Bundesarbeitsgericht nicht wahr.  

[37] Dieses Beispiel erinnert an die Vorkommnisse an der Leipziger Universität im Zeitraum 1945/46, als Prof. Hermann Altrock von den kommunistischen Erneuerern die Lehrerlaubnis entzogen wurde.

 
Verein Sport und Gesellschaft e.V. @ 2014