Wahrheiten und Fakten zum deutschen Sport

 

Wenn vom deutschen Sport die Rede ist,kommt man nicht umhin,die außergewöhlichen Erfolge der DDR bei Europa-und Weltmeisterschaften,Olympischen Spielen und vielen anderen internationalen Wettkämpfen zur Kenntnis zu nehmen.Diese Erfolge beruhen auf einer Sportpolitik der DDR,die sowohl den Breitensport mit vielfältigen Zugangsmöglichkeiten für alle Bürger zur sportlicher Betätigung wie auch eine durchdachte und konsequente Entwiklung der besten sportlichen Talente von Kindheit an förderte.

Da diese Erfolge nicht in das Bild derjenigen passen,die nach wie vor an der Erfüllung des Auftrags des ehemaligen Innenministers Klaus Klinkel zur Delegitimierung der DDR arbeiten, wird der DDR-Sport mit Unterstellungen,Lügen,Verschweigen und Auslassungen,wider besseres Wissen,diskreditiert und verleumdet..

Hasso Hettrich hat zahlreiche Wahrheiten und Fakten über den Sport in beiden deutschen Staaten zusammengestellt, die es erlauben, sich ein objektives Bild vom deutschen Sport zu machen.

Sein Buch" Wahrheiten und Fakten zum deutschen Sport"" ist zu beziehen bei:

Sport und Gesellschaft e.V.

Triftstraße 34

15370 Petershagen

im Preis von 5,-Euro.

Anfragen/Auskünfte dazu auch über  die Emailadresse: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. oder Tel.0334397473


 


 


Leistungssport ohne Zielvorgaben?

 

Mit dem Wagnis und fest entschlossen, die Grenzen der körperlichen Leistungsfähigkeit anzugehen, strebt der Hochleistungssportler unweigerlich nach Medaillen, Rekorden und Bestleistungen.

Jüngstes Beispiel ist die Absicht, auf der Autorennstrecke im italienischen Monza, eine 42,195 km lange Marathonstrecke mit einem Durchschnittstempo von 21 Stundenkilometern zu laufen, um den Weltrekord unter zwei Stunden zu drücken. Dazu müsste der neue Rekordhalter die 100m 422 Mal in nur 17 Sekunden laufen.

Um derartige Extremleistungen zu erreichen, bedarf es klar definierter Leistungsziele und ein sowohl objektives als auch subjektives optimales Bedingungsgefüge.

 

In diesem Zusammenhang ist unverständlich, wie im Zuge der neuen Leistungssportreform im deutschen Sport Medaillenvorgaben aus dem Fokus gerückt werden sollen. So jedenfalls beabsichtigt es der Deutsche Olympische Sportbund.

Die Brisanz dieses Themas wird durch die nahezu konträren Aussagen zweier maßgeblich Verantwortlicher deutlich.

Zum einen sagte der Geldgeber des Sports, der Innenminister Thomas de Maiziere am 11.3.2015 in Vorbereitung der Sondierungsgespräche mit dem DOSB:“ Trotz immer höherer Zuschüsse waren zuletzt immer weniger Erfolge herausgesprungen. Die harte Währung der Förderung sind auch Medaillen.“

Zum anderen will der Sportvorstand des DOSB Dirk Schimmelpfennig die Medaillenvorgaben einstellen und meinte am 7.2.2017:“ dass man den Leistungssport nicht auf Medaillen reduzieren sollte.“

Im Mai 2017 (der Mai 2014 wäre in Vorbereitung auf die Olympischen Winterspiele 2018 in Pyeongchang wohl geeigneter gewesen) wollte laut Schimmelpfennig der DOSB über diese Problematik mit den Verbänden sprechen, um „belastbare und sinnvolle Aussagen zu treffen“.

Leider blieb es der Öffentlichkeit bisher versagt, was dabei herausgekommen ist.

Mit der Entscheidung, dem Deutschen Curling Verband die Förderung zu entziehen, wurde allerdings schon mal die Richtung vorgegeben.

Die Absicht sogenannter Zielvorgaben wurde bisher verfehlt. Deutlich zeigte sich das bereits in London 2012, als von 28 geplanten Siegen nur 11 erreicht wurden. Und in Sotchi 2014 errangen die Wintersportler 19 Medaillen, obwohl nahezu die doppelte Anzahl anvisiert wurde. Dieser Leistungsabfall ist bereits seit 1992 erkennbar, als die erste deutsch/deutsche Mannschaft seit 1964 wieder gemeinsam an den Start ging. Damals wurden bei den Olympischen Spielen noch 82 Medaillen gewonnen, 2016 bei den Sommerspielen in Rio waren es nur noch 42.

Als eine wesentliche Ursache des kontinuierlichen Leistungsrückgangs wurde vom Präsidenten des DOSB, Alfons Hörmann am 1.7.2016 auf dem Parlamentarischen Abend des Sports behauptet:“ 25 Jahre nach der Einheit ist das aus dem Zusammenwachsen beider Sportsysteme resultierende positive Erbe erkennbar leider teilweise aufgebraucht“.

Dieses Argument, dass das sportliche Erbe nun aufgebraucht sei, ist nicht nur peinlich, sondern auch falsch. Schließlich wurde das Erbe bis auf die Übernahme der Sportler, nahezu völlig ausgeschlagen.

Sonst gäbe es ein Einheitliches Sichtungs- und Auswahlsystem und einen kontinuierlichen Trainingsaufbau talentierter Sportler vom Grundlagen-, über das Aufbau- und Anschluss- bis zum Hochleistungstraining. Auch würde der reiche Erfahrungsschatz unzähliger hochqualifizierter ehemaliger DDR-Spitzentrainertrainer weiter genutzt, von denen gezählte 70 seit Jahren in der Welt für andere Länder die Medaillen sammeln. Auch deren Ausbildungsstätte, die weltbekannte Deutsche Hochschule für Körperkultur könnte noch bestehen, wenn sie nicht aus widersinnigen politischen Gründen abgewickelt worden wäre. Selbst die Elitesportschulen, eine nur zum Teil gelungene Kopie der Kinder- und Jugendsportschulen, könnten einen bedeutend wirkungsvolleren Beitrag zum Erfolg leisten.

Wären diese unabhängig vom jeweiligen Gesellschaftssystem leistungsbeeinflussenden bzw. leistungsbestimmenden Faktoren als Erbe übernommen worden, würde der deutsche Sport im internationalen Ranking heute bedeutend besser dastehen.

 

Auch Leistungsziele, richtig erarbeitet, gehören unbestritten zu einem wirkungsvollen Leistungssportkonzept. Allerdings müssen die Ziele, wenn es um Olympia geht, stets am Beginn des 4-jährigen Olympiazyklus erstellt und alljährlich hinsichtlich ihrer Realisierbarkeit überprüft werden.

In Auswertung der Wintersaison 1975, also ein Jahr vor den Olympischen Winterspielen 1976 in Innsbruck haben wir im Trainerrat des Schlittensportverbandes festgestellt, dass andere Länder den Leistungsabstand zur DDR wesentlich verringern konnten und die von uns ermittelte Prognoseleistung für 1976 nahezu erreicht haben. Bei der ohnehin schon hohen Trainingsbelastung von jährlich 1100 Trainingsstunden war mir, als dem verantwortlichen Verbandstrainer und den beiden Auswahltrainern bewusst, dass wir die Sportler zu einer weiteren Belastungssteigerung kaum durch Vorgaben überzeugen werden.

Daraufhin haben wir gemeinsam mit den Sportlern über die Konsequenzen für die weitere Olympiavorbereitung diskutiert. So baten wir die Sportler um Vorschläge zur Erschließung weiterer Leistungsreserven. Dabei ergab sich u.a. eine Steigerung der Trainingskilometer auf dem Räderschlitten im Sommer und auf den Eisbahnen, eine höhere Anzahl von Starts auf der separat künstlich vereisten Kopie des Olympiastartbocks, eine Erhöhung des Athletik- und Kraftanteils. Am Ende ergab sich eine Anzahl von 1200 Trainingsstunden im Olympiajahr.

Infolgedessen haben wir die Prognoseleistung korrigiert und alle Beteiligten gingen hoch motiviert in die weitere Olympiavorbereitung.

 

Diese grundsätzlich wissenschaftlich erarbeiteten Prognoseleistungen sind die Voraussetzung zur Erstellung der Leistungsziele. Sie werden bei messbaren Sportarten nach Metern, Sekunden und bei technischen Sportarten, wie z.B. Turnen Eiskunstlauf, Wasserspringen nach definierten leistungsbestimmenden Faktoren ermittelt.

Leistungsziele, die zu hoch gestellt und unerfüllbar erscheinen, führen rasch zu Resignation. Zu niedrig angesetzte Ziele verleiten zur Unterschätzung der erforderlichen Anstrengungen. Ein korrektes Ziel darf im Moment nicht erfüllbar erscheinen, weil im Zeitraum der Bewältigung weitere bis dahin noch nicht entdeckte Reserven erschlossen werden müssen. Das gilt sowohl für Verbands-als auch für individuelle Ziele.

Beeindruckt hat mich folgendes Erlebnis während eines Lehrgangs in der unmittelbaren Wettkampfvorbereitung der DDR-Leichtathletiknationalmannschaft. Ich durfte ausnahmsweise an der sogenannten „stillen Stunde“ teilnehmen, in der ausschließlich die Sportler mit ihren Trainern und dem Generalsekretär die Leistungserwartungen zum bevorstehenden Wettkampf erörterten. Jeder einzelne wurde aufgefordert, sein angestrebtes Leistungsziel realistisch darzustellen und zu begründen. Dabei fielen z.B. solche Bemerkungen, wie „hast du auch bedacht, dass es den oder den Konkurrenten gibt, der derzeitig stärker erscheint?“, oder „du warst in diesem Jahr noch in keinem Wettkampf unterlegen, warum traust du dir keinen Sieg zu?“ Auch fragte einer „ der Sieg wird wahrscheinlich nicht ohne Weltrekord weggehen, traust du dir eine weitere Steigerung zu?“ Auf diese Weise wurde mit jedem einzelnen auf der Grundlage seines aktuellen Leistungsstandes sehr offen und teilweise schonungslos debattiert. Nach einer umfassenden Diskussion zog am Ende der Aussprache der Mannschaftskapitän Bilanz und gab das Gesamtziel der Mannschaft bekannt. Diese Ziele kamen der Realität oft sehr nahe, waren sie doch auf dem gegenwärtigen Leistungsstand aufgebaut und von denen erstellt, die am meisten davon verstanden.

Leistungsziele waren im DDR-Sport Interna. Heute scheinen sie Investigativ-Journalisten mehr zu interessieren, als die Öffentlichkeit. Den Vergleich von Ziel und Ergebnis sollte man auch lieber den Experten überlassen, denn für die Öffentlichkeit ist es bei den oftmals differenzierten Darstellungen in den Medien schon schwierig genug, allein das Ergebnis zu bewerten.

Den Begriff Zielvorgaben finde ich ohnehin unglücklich gewählt, denn Zielstellungen sollten nicht vorgegeben, sondern stets im Konsens mit denen stehen, die sie erfüllen wollen.

 

Die Fördervereinbarungen incl. Bereitstellung finanzieller Mittel ausschließlich an zu erwartenden Medaillen festzumachen, ist zu kurz gegriffen. Zielführend ist letztendlich ein langfristiger Leistungs- u n d Persönlichkeitsaufbau. Die Verantwortlichen des DDR-Wintersports haben z.B. auf die Folgen der Entscheidung des IOC zur Durchführung der Olympischen Spiele und Olympischen Winterspiele im Zweijahresrhythmus reagiert. Im Wissen, das die Olympischen Winterspiele 1992, 1994 und 1998 innerhalb von sechs Jahren stattfinden, wurde für diejenigen talentierten jungen Anschlusskader, die in diesem Zeitraum ihr optimales Leistungsvermögen erreichen können, ein spezielles langfristiges Vorbereitungskonzept erarbeitet. Diese Sportler wurden in die Spitzenkaderkreise und in die zentrale Leistungsdiagnostik aufgenommen, wurden sehr früh für die Teilnahme an Weltmeisterschaften vorgesehen, um Wettkampferfahrungen zu sammeln und erhielten eine vorrangige individuelle Förderung. Übrigens hat sich dieses Konzept bei den Olympischen Winterspielen 1992 mit mehr als 80 Prozent und 1994 mit 64 Prozent Medaillenanteil ehemaliger Sportler der DDR am deutschen Ergebnis ausgezahlt.

 

Leistungsziele zu reduzieren in der Annahme, dass die Konkurrenz zu Dopingmittel greift, ist realitätsfremd. Der Sport ist festen Regeln unterworfen und darin ist Doping verboten. Besser wäre es, den Kampf gegen Doping verschärft und ehrlich zu führen, als vor ihm zu resignieren. Manchmal habe ich den Eindruck, in Interviews mit Sportlern diese Resignation herauszuhören, wenn sie mit ihren Leistungen zufrieden sind, obwohl sie unter ihren eigenen Leistungserwartungen blieben. Das kann nicht nur der Druck der Manager sein, sich trotz Niederlage als strahlende Sieger darzustellen. Reduzierte Ziele provozieren reduzierte Resultate. Wenn man davon ausgeht, dass sämtliche Olympiamedaillen ausschließlich von gedopten Sportlern gewonnen worden wären, könnte man jegliche Dopingkontrollsysteme in Frage stellen oder sogar abschaffen.

Trotz berechtigter unterschiedlicher Standpunkte zu Leistungsvorgaben oder Leistungszielen bleibe ich bei meiner als Sportler, Trainer und Funktionär gewonnenen Erfahrung, dass am Weltniveau orientierte Leistungsziele eine wesentliche Voraussetzung sind, um bewusst und motiviert hohe Trainingsbelastungen zu bewältigen und um erfolgreich im sportlichen Wettkampf zu bestehen.

 

Thomas Köhler

 
Verein Sport und Gesellschaft e.V. @ 2014